Am Nachmittag des 17. August 2013 fanden sich Maria Schöne, Filiz Osmanodja und Anna Nobis zu einem Interview im RAMADA Hotel Dresden ein. Dort spielen sie zur Zeit auch das 22. ZMDI Open mit und beantworteten unserer Pressereferentin Laura Jordan sowohl schachliche als auch persönliche Fragen.
L: Wann habt ihr mit Schach spielen angefangen und wer hat euch an diesen Sport herangeführt?
M: Mein Vater hat mir das Spielen beigebracht, da war ich gerade neun Jahre alt. Wir haben ein Jahr lang Zuhause gespielt und dann hat er mich zum Verein gebracht. Jetzt spiele ich schon 17 Jahre lang.
L: Das nenne ich konsistent.
A: Bei mir hat die ganze Familie schon Schach gespielt und ich war die Jüngste und mit 5 Jahren hat’s mir dann mein Bruder so ein bisschen beigebracht. Ich wollte aber am Anfang keine Turniere spielen, hab` mich dann aber irgendwann dann doch überreden lassen und war bei meinem ersten Turnier das einzige Mädchen. Dort habe ich die Goldmedaille gewonnen und seit dem hat es mir halt Spaß gemacht.
L: Gewinnen ist halt schön. Und wie war das bei dir Filiz?
F: Ja also mein Vater hat immer mit meinem Bruder Schach gespielt und ich hab nur zugesehen. Das war mir am Anfang alles noch viel zu kompliziert. Und dann als ich 5 war hat mein Vater mich zum Vereinsabend mitgenommen, er wollte eigentlich mit meinem Bruder gehen, aber ich bin einfach mitgegangen. Und da haben sie mir die Regeln erklärt und von da an hat mir Schach spielen gefallen und so ging das los. Da bin ich dann auch dem Verein beigetreten.
L: Schön. Wenn ihr auf eure bisherigen Leistungen zurück schaut, was würdet ihr denn als euren größten schachlichen Erfolg ansehen? Also bis jetzt!
M: Ich würde sagen das war die Teilnahme an der Olympiade 2008 in Dresden. Ich war in der Jugendolympiamannschaft. Und als zweiten Erfolg würde ich noch meinen WIM Titel anführen. Die beiden Sachen sind mir sehr wichtig. Ich bin zufrieden.
A: Meine Teilnahme bei der Jugend-WM 2011 in Brasilien letztes Jahr war definitiv bis jetzt mein größter Erfolg.
F: Also ich denke der Vizeweltmeistertitel 2008 und 2012 war mein größter Erfolg. Ich wollte halt immer mal Erste werden, aber Zweite ist auch gut. Mal sehen, ob ich das noch schaffe. Ich hab ja noch zwei Jahre Zeit.
L: Wenn wir schon über die Zukunft reden, was für Pläne oder Ziele habt ihr denn noch für eure schachliche Zukunft anvisiert?
M: Ich habe mir eigentlich keine Ziele mehr gesetzt, da ich keine Zeit mehr zum Trainieren habe, weil ich jetzt arbeiten gehe. Da bleibt leider keine Zeit mehr übrig. Ich hatte vor ein paar Monaten noch das Ziel WGM zu werden, weil ich auch schon zwei Normen habe, aber das wird wohl nichts mehr, weil ich dafür trainieren müsste und Zeit für viele Turniere bräuchte, um immer Spielpraxis zu haben. Aber jetzt spiele ich nur noch aus Spaß an der Freude.
A: Ich würde gern noch einmal an der WM teilnehmen. Und natürlich auch meine DWZ und ELO noch weiter verbessern.
F: Ich würde wirklich gern Jugendweltmeisterin werden. Wenn das aber nicht klappt, dann will ich einfach weiterspielen und vielleicht in der Frauennationalmannschaft spielen.
L: Da drücken wir dir die Daumen. Wenn ihr jetzt mal in eure Zukunft schaut, wo seht ihr euch denn in 5 oder 10 Jahren? Wo möchtet ihr dann stehen?
M: In 5 bis 10 Jahren möchte ich meinen Doktortitel haben.
L: Frau Dr. Schöne. Das geht schon schön leicht von den Lippen.
M: Ja, klingt doch sehr gut.
A: Ich möchte dann das Abitur geschafft haben, möglichst gut. (lacht) Und dann würde ich gerne Journalismus studieren, das macht mir Spaß.
L: Na dafür braucht man dann wirklich ein sehr gutes Abitur. Viel Glück dabei. Und du Filiz? Ich habe gehört, du möchtest Medizin studieren?
F: Ja, in die Richtung Gerichtsmedizin.
M: Wo du dann Tatopfer untersuchst und an welchen Verletzungen die gestorben sind?
F: Ja.
M: Oh, da können wir ja zusammen arbeiten. Ich arbeite als Psychologin ja mit den Tätern.
F: Ein unschlagbares Team.
L: Na das kann ja nur gut werden. Noch mal zurück zum Schachlichen: Habt ihr denn in Hinsicht auf Schach besondere Vorbilder?
M: Die Frage habe ich schon oft gehört und irgendwann habe ich mir dann Shirov rausgesucht, weil der immer so schön Harakiri spielt. Immer so schön auf Angriff und dann auch mal was opfern, er spielt nicht so langweiliges Schach. Die Partien habe ich mir immer gerne angesehen und verfolgt.
A: Also ich habe nicht wirklich ein schachliches Vorbild. Und auch sonst nicht.
F: Schachlich gesehen ist mein Vorbild definitiv Bobby Fischer, weil er der Beste war. Und von noch lebenden Schachspielern bin ich ein Fan von Anand, weil er als einziger e4 spielt. Da ist es an der Spitze nicht so langweilig. Und außerhalb vom Schach finde ich Michael Jackson super, weil er einfach die beste Stimme auf der Welt hatte.
L: Sehr schön. Jetzt hab ich noch zwei ganz andere Fragen. Als erstes wollte ich gern fragen, ob es auf der Welt einen Ort gibt, den ihr unbedingt besuchen möchtet oder Euch sogar vorstellen könntet dort zu leben.
M: Ich möchte gern noch einmal nach New York und dort Urlaub machen. Also Amerika auf alle Fälle.
A: Ich würde auch gern mal nach New York, ich war leider noch nie dort. Ich stelle es mir echt cool vor mal durch die Straßen zu wandern. Und dann würde ich auch gern mal nach Indien fahren. Mein Bruder war dort vor kurzem und fand es ziemlich schön. Das ist bestimmt noch mal ein schönes Erlebnis.
L: Einfach mal eine ganz andere Kultur kennen lernen?
A: Ja, genau.
Also ich würde gern mal auf eine verlassene Insel, oder mal in die Wüste fahren. Wenn man immer in den Filmen sieht, wie sie dort überleben müssen, das finde ich interessant.
L: Also so von wegen: „Gestrandet in der Wüste und es gibt nur noch eine Flasche Trinkwasser. Was würdest du tun? Los!“ ?
F: Genau.
L: Und dann auch eher so abenteuerlich, Kamelritte durch die Wüste und auf Bergen klettern?
F: Ja genau so was. Ich war noch nie irgendwo so weit entfernt, in einer Wüste oder so.
L: Wo du schon die einsame Insel angesprochen hast: Wenn ihr auf einer solchen stranden würdet, wen oder/und was würdet ihr denn gerne dahin mitnehmen?
M: Ja, also ich nehme meinen Freund mit und der hat dann ein Handy mit Internet und der würde dann nach Hilfe rufen.
L: Das ist sehr logisch gedacht, erst etwas Urlaub dort machen und dann gerettet werden?
M: Ganz genau.
A: Also wenn auf der Insel Empfang wäre, dann würde ich auch auf jeden Fall mein Handy mitnehmen und auch meinen Freund. Dann können wir anrufen wann wir wollen, um uns abholen zu lassen.
L: Dieses logische Denken hier. Warum frage ich eigentlich Schachspielerinnen, die sehen das doch alles ganz logisch! Ich sollte lieber Schriftsteller fragen, die sagen dann so was poetisches wie: „Ich würde meinen liebsten Dickens-Roman mitnehmen!“
(an Filiz): Sag jetzt bitte nicht Handy, Freund und dann anrufen, oder so!
M: Sag Schachbuch, damit es nicht so langweilig wird.
A: Oder ein Schachbrett und Figuren.
F: Ne, keine Ahnung. Alleine möchte ich nicht dort stranden, also würde ich vielleicht meinen Papa mitnehmen. Und dann machen wir dort irgendwas. Lagerfeuer oder so.
L: Und Kokosnüsse aufschlitzen! Schön. Und dann hab ich noch eine Frage, die mich auch persönlich besonders interessiert, weil ich ja als Außenstehende davon nichts mitbekommen habe über die Jahre. Wie seht ihr denn das mit der schachlichen Förderung der Jugendlichen, Kinder und Frauen? Was findet ihr denn gut oder schlecht und was könnte man noch verbessern? So als Angriffspunkt für die nächsten Jahre?
M: Hm, na ja also die Förderung greift ja größtenteils, wenn man U18 ist, danach hört es ja meistens auf. Bei mir war das damals so, dass ganz viele Lehrgänge in Sachsen abgehalten wurden. Ich glaube in Sachsen wird generell sehr viel zur Förderung gemacht, im Vergleich zu anderen Bundesländern. Dann gab es immer noch zusätzliche Trainer, die angeheuert wurden, um auch Privattraining zu machen. Das ging dann mehrere Jahre lang, das war gut organisiert. Ich weiß gar nicht, wo das Geld herkam, aber ich denke, dass es größtenteils vom Schachverband Sachsen bezahlt wurde. Das ist aber schon eine Weile her, ich weiß nicht wie das jetzt ist.
L: Da können uns ja vielleicht Anna und Filiz etwas mehr Aufschluss geben, sie sind ja beide noch U18.
A: Ja also ich finde auch, dass die Förderung in Sachsen ziemlich stark geworden ist, besonders in den letzten 2-3 Jahren hat die Förderung noch mal zugenommen. Es werden ziemlich viele Lehrgänge veranstaltet mit Großmeistern, die dann das Training für uns organisieren. Das finde ich sehr gut, im Vergleich zu anderen Bundesländern, da macht Sachsen schon viel zur Jugendlichenförderung.
L: Hast du da denn etwas aus anderen Bundesländern mitbekommen?
A: Ja, also gerade Thüringen, hab ich gehört, da soll die Förderung ziemlich schwach sein. Kaderlehrgänge oder Ähnliches soll es da kaum geben und so starke Trainer, die da unterrichten, soll es auch nicht wirklich geben.
M: Da hat Sachsen ja richtig Glück. Ich glaube Baden-Baden, oder Baden-Württemberg ist auch noch ziemlich gut von der Förderung her, aber ansonsten ist Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern schon sehr weit vorne mit dabei.
L: Wie ist das denn bei dir Filiz? Du warst ja auch im Sportgymnasium…
F: Ja, die Lehrgänge waren sehr gut, besonders wenn man so jung ist, hat man dort die Möglichkeit sehr viel zu trainieren. Das war im Sportgymnasium besonders gut, weil man Schachtraining direkt als Unterrichtsstunden hatte. Man musste sich keine Sorgen um die Spielpraxis machen, weil das Training richtig in den Unterricht eingegliedert wurde. Ich glaube nicht, dass ich so viel Praxis gehabt hätte, wenn ich das Training noch zusätzlich zum Unterricht an einer normalen Schule hätte organisieren müssen. Am Sportgymnasium wurde man ideal gefördert.
L: Und bekommt man dann auch fürs Schach spielen als Fach Noten?
F: Ja, man hat für Schach als Unterrichtsfach auch Noten bekommen.
L: Und wart ihr nicht jetzt der letzte Jahrgang, der am Sportgymnasium Schach belegen konnte?
F: Ja, jetzt gibt es Schach dort nicht mehr, weil es nicht mehr genügend Schachspieler hier gibt. Das ist ziemlich schade.
L: Ja, das ist wirklich schade. Ich danke Euch ganz herzlich, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um dieses Interview zu geben.
Vielen Dank.
A,M,F: Gern geschehen.
Abschrift der Aufnahme des Gesprächs.